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Beitrag 21 - 18.07.2018

 

 

Achtung! Löwin im Hinterhalt!!!

Drei fantastische, letzte Reisen voller spannender Momente

Hallo zusammen,

 

unglaublich: Gerade mal zweieinhalb Wochen verbleiben mir noch auf dem afrikanischen Kontinent, bis es für mich am 02.August zu unserem eintägigen Abschlussseminar nach Nairobi geht, von wo aus ich am 03. spät abends meine Rückreise nach Deutschland antreten werde. Knapp zwei Wochen sind eine unglaublich kurze Zeit und da noch so vieles auf meinem Plan steht und erledigt werden will, merke ich jetzt schon, dass die verbleibende Zeit wie im Fluge vergeht und ich im Nu im Flieger zurück nach Deutschland sitzen werde! Wie hat mein Gastvater neulich so treffend gesagt: „Deine Tage sind gezählt!“ („in Afrika“, fügte er noch schnell hinzu...) :)

 

Aber nun erst einmal zu meinen Erlebnissen in den letzten vier Wochen, in denen ich wieder spannende und vielseitige Reisen unternehmen durfte.

 

Am Montag, den 18.06. brach ich in meiner, aufgrund der Schulferien freien Zeit, gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen nach Nairobi auf, um von dort aus weiter an die Küste, sowie in meine ehemalige Heimat Taveta zu reisen. Die Fahrt nach Nairobi gestaltete sich schon als etwas holprig, da der Motor unseres Busses mitten im Kreisel einfach versagte, sodass wir letztendlich auf einen neuen Bus warten und in diesen umsteigen mussten. Von Nairobi ging es dann am nächsten Tag früh morgens mit einer Bummelbahn, deren Zugstrecke durch den Slum Nairobis fährt und so Einblicke in das Leben im größten Slum Nairobis mit Namen Kibera bietet, weiter zum Hauptbahnhof Nairobis. In dem überaus modernen „SGR Train“ fuhren wir dann ca. 7h nach Mombasa, von wo aus wir eine Fähre und ein Matatu an den Tiwi Beach nahmen.  Die zweieinhalb Tage an der Küste in der „Twiga Lodge“ genossen wir wirklich sehr und da wir aufgrund der „low season“ die einzigen Gäste in der Lodge waren, wurden wir entsprechend umsorgt und konnten die einmalige Ruhe und Leere am direkt an der Lodge angrenzenden Strand genießen. Das Meer eignet sich doch immer wieder perfekt, um zur Ruhe zu kommen, zu entspannen und die herrliche Natur zu genießen!

 

Zurück in Mombasa brachen wir nach einer sehr kurzen und unruhigen Nacht (aufgrund einer fehlenden Fensterscheibe und undichten Wänden unseres Zimmers war die ohnehin schon kurze Nacht geprägt von Straßenlärm und regelmäßigen, lautstarken Gebeten der benachbarten Moschee...) um halb vier Uhr morgens mit einem Auto des UberTaxi Unternehmens  auf, welches uns rechtzeitig zum Hauptbahnhof Mombasas bringen sollte. Diese Fahrt stellte sich wider Erwarten als äußerst abenteuerlich und nervenaufreibend heraus... Wir fuhren mindestens vier Mal am SGR Terminal Mombasa vorbei, weil wir einfach keine Straßenausfahrt fanden, bis wir dann irgendwann feststellten, dass wir (auf der Autobahn!!!) auf der falschen Straßenseite fuhren, was, da das Verkehrsaufkommen um diese morgendliche  Uhrzeit noch recht gering war, unseren Fahrer (den wir darauf aufmerksam machten!) nicht sonderlich zu interessieren schien, er aber doch irgendwann beschloss, auf der Autobahn zu drehen. Auch, als uns ein auf der richtigen Fahrbahn entgegenkommendes Auto panisch Lichthupe gab, empfand unser Fahrer das mit Sicherheit nur als einen gut gemeinten, morgendlichen Gruß... Als wir dann nach einer Dreiviertelstunde meinten, wir hätten den Bahnhof endlich gefunden, war das leider nur der Ausgang, sodass wir mit einer Wegbeschreibung zum Eingang des Bahnhofs geschickt wurden. Da die Straße zum Bahnhofseingang aber einfach noch nicht fertig war (es waren auch keinerlei helfende Straßenschilder in Sicht), bogen wir irgendwann auf eine Matschpiste ab und kamen dann letztendlich wieder Erwartens, trotz fehlenden Schildern, Straßen und Lichts nach einer nervenaufreibenden Stunde doch noch heil und rechtzeitig am Bahnhof Mombasas an.

 

In Voi und somit im Taita County angekommen, nahmen wir dann ein TucTuc (kleines, dreirädriges Gefährt) in die Stadt und eine Probox (kleinere Version eines Matatus) nach Taveta. Dort angekommen, bekam ich sofort wieder heimatliche Gefühle und genoss es sehr, meine ehemalige Hostmum, ihren Sohn und einen neuen Freiwilligen, der seit Beginn dieses Jahres dort wohnt, zu besuchen. Dort kochten wir zusammen, tauschten uns aus und spazierten noch über den Markt Tavetas. Nach ein paar Stunden mussten wir allerdings schon weiter nach Wundanyi, die einstige Heimat der anderen Freiwilligen, wo auch ich während meines Aufenthalts im Taita County oft Zeit verbrachte. Dort schauten wir dann abends gemeinsam das leider einzige deutsche Spiel der WM mit für uns positivem Ausgang (Deutschland: Schweden) auf einem extrem kleinen Fernseher. :) Aber immerhin unterstützten alle Anwesenden die deutsche Nationalmannschaft (der deutsche Fußball wird in Kenia sehr groß geschrieben (ob das nach der deutschen WM Pleite immer noch so ist, weiß ich nicht)).

 

Der nächste Tag führte uns gemeinsam mit vier weiteren Freiwilligen in den Tsavo West Nationalpark, wo wir die Möglichkeit hatten, Giraffen, Zebras, Impalas, verschiedene Gazellen, Krokodile, diverse Vogelarten, sowie zahlreiche Schmetterlinge zu beobachten.

 

Die darauf folgenden Tage verbrachte ich primär in Zug und Matatu, quasi auf dem Weg durch das ganze Land, zurück ins westliche Kisumu.

 

In der Schule half und helfe ich wieder fleißig beim Korrigieren der Englisch-Examen und nutzte die Wochenenden unter anderem, um in Kisumu über den Stoffmarkt zu schlendern, mir ein schönes „Kitenge“ auszusuchen und es zum Schneider zu bringen. Ich habe eine sehr gute Schneiderin in Kisumu gefunden, die mir schon einen Kissenbezug, eine Hose, ein Oberteil und einen Rock schneiderte. :)

 

Das Highlight der letzten Wochen war für mich eine dreitägige Safari durch den berühmten und einzigartigen Nationalpark Masai Mara, welcher in Kenia nördlich an den tansanischen Serengeti-Nationalpark anschließt. Als wir Freitagabends an der Masai Mara ankamen, war leider nur noch Zeit, für eine zweistündige, abendliche Safari, die aber schon zu 100% lohnenswert war! Der Nationalpark ist geprägt von unglaublich weit erscheinenden Flächen auf zahlreichen, verschiedenen Ebenen, welche durch Gras-, Busch- und Baumsavanne, sowie einen Wald entlang des Maraflusses gebildet werden. Schon innerhalb dieser abendlichen zwei Stunden im Nationalpark bekamen wir die Möglichkeit, zahlreiche Tierherden und sogar zwei Löwen am Straßenrand, sowie später einen fantastischen Sonnenuntergang zu sehen.

 

Auch die nächsten beiden Tage in der Masai Mara waren mehr als eindrucksvoll, faszinierend und durchweg lohnenswert. Nach einem beeindruckenden Sonnenaufgang durften wir während den beiden Tagen zahlreiche Impala-, Gnu- und Büffelherden , Elefanten, Masaigiraffen, Steppenzebras, Schakale, Affen, Thomsongazellen, Leierantilopen, Vögel, Löwen, Leoparden, sowie Flusspferde und Nilkrokodile am Marariver beobachten. Es war beeindruckend zu sehen, wie sehr primär die Löwen an Menschen in herbei fahrenden Autos gewöhnt sind und schon ihre Scheu vor Autos verloren haben. Da die Masai Mara bei Touristen in Kenia das Ausflugsziel Nummer eins ist, sind täglich unglaublich viele Safariautos in der Mara unterwegs, die natürlich alle eiligst angefahren kommen, wenn über Funk der Standort einer Löwengruppe oder eines Leoparden durchgegeben wird. Viele Autos verlassen leider auch die offiziellen Wege, um den Touristen einen Blick auf die Tiere aus nächster Nähe zu ermöglichen. Das stört diese teilweise enorm und ist zum Schutz der Tiere und der Vegetation zu Recht offiziell verboten.

 

Besonders eindrucksvoll war eine Szene am Sonntagmorgen: drei weibliche Löwinnen hatten ein Gnu erlegt und waren gerade dabei, dieses am Straßenrand zu verspeisen.  Aus zwei Meter Entfernung durften wir dieses Spektakel mit verfolgen und waren sehr beeindruckt von diesem Schauspiel, das das Prinzip natürlicher Selektion in der freien Wildbahn sehr eindrücklich darstellte.  

 

Die Nächte verbrachten wir im „Enchoro Wildlife Camp“, außerhalb des Nationalparks aber in unmittelbarer Nähe zum Gate, in dem es zwei Mal am Tag drei Stunden Strom und warmes Wasser gab und leider, besonders in unseren Zelten, bitter kalt war (ja, auch in Kenia kann es kalt werden...:)).

 

Nichtdestotrotz, ein einmaliges, großartiges und fantastisches Wochenende! 

 

Eine für mich zusätzlich sehr spannende Erfahrung war, vier Wochen lang sog., typisch afrikanische „Braids“ zu tragen. Braids sind viele kleine Zöpfe, die beim Frisör mit Hilfe von Kunsthaar innerhalb 4 bis 8 Stunden in das eigene Haar fixiert und eingeflochten werden und so von vielen Afrikanern getragen werden. Da man das Haar weder regelmäßig waschen, noch kämmen oder sich frisieren muss, ist diese Frisur sehr pflegeleicht, was für mich auch einer der Gründe war, das Ganze einmal auszuprobieren. Auch der niedrige Preis, welcher weniger als ein Zehntel des Preises ausmacht, den man in Deutschland für Braids zahlen müsste, ermutigt, diese Frisur einmal zu versuchen.

 

Ein darüber hinaus sehr schönes Erlebnis war ein Wochenende am Süßwassersee „Lake Baringo“. Unser Campingplatz direkt am See stellte uns ein gemütliches Zelt an der Seeseite zu Verfügung und war darüber hinaus sehr sauber, gepflegt und preislich erschwinglich.  Eine Sonnenuntergangstour mit dem Boot auf dem Baringosee sollte ein entspanntes Ausklingen des Tages ermöglichen, gestaltete sich dann für uns aber abenteuerlicher als eigentlich gedacht. Da der Baringosee zahlreiche Flusspferde, wie auch Krokodile beheimatet und man diese primär in der Abenddämmerung zu sehen bekommt, bot sich uns eben auch die Gelegenheit, diesen Tieren quasi auf Augenhöhe zu begegnen. Als wir mit unserem kleinen Motorbötchen bis zu zwei Meter an ein riesiges Flusspferd heranfuhren, war mir schon nicht mehr ganz wohl zumute, als wir dann aber wirklich sehr dicht an einem, auf einer kleinen Grasinsel liegenden Krokodil vorbeischipperten, welches sich dann plötzlich, für uns sehr unerwartet, hektisch bewegte und zurück ins Wasser eilte, war mein Adrenalinspiegel dann doch sehr hoch und ich war froh, wieder heil an Land angekommen zu sein! Trotz dieses aufregenden Ausflugs genossen wir den Abend am See noch sehr und ließen ihn mit einem Kartenspiel und dem für Kenia typischen Bier „Tusker“ ausklingen.

 

So, nun bin ich schon am Ende meines letzten Blogbeitrags aus Kenia angekommen. Den allerletzten werde ich aus Deutschland hochladen, ein paar Tage oder auch Wochen (mal sehen :) ) nach meiner Rückkehr. Ich bin selbst schon sehr gespannt, was genau ich euch in diesem Beitrag über meine letzten zwei Wochen in Kenia, den Abschied und natürlich auch die Rückkehr und das wieder Einleben in Deutschland berichten werde!

 

Bis jetzt kann ich nur sagen, dass ich Kenia auf jeden Fall mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlasse. Ich freue mich unglaublich auf meine Familie und Freunde in Deutschland und nicht zuletzt auf das vielseitige und von mir sehnsüchtig vermisste deutsche Essen!!!  :) Jedoch durfte ich auch ein fantastisches und unglaublich vielseitiges Jahr in Kenia erleben, geprägt von tollen und besonderen Menschen. Dies alles hinter mir zu lassen, fällt mir nicht wirklich leicht, aber für diese Gefühle bin ich auch sehr dankbar, denn sie zeigen mir, dass das Jahr, mit allen seinen Hochs und Tiefs, von den Hochs, den positiven Gefühlen und tollen Erlebnissen geprägt war und das ist etwas, wofür ich unglaublich dankbar bin!

 

In meinem nächsten und letzten Beitrag werde ich ein ausführlicheres Resumee über mein Jahr in Kenia ziehen und versuchen, die zahlreichen Eindrücke, die ich in diesem Jahr gemacht habe, gebündelt zusammen zu fassen.

 

Bis dahin, alles Gute!

 

Eure Rose