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Beitrag 16 - 09.02.2018

 

 

Zurück in meiner Gastfamilie

Zurück in Kisumu…

Hallo zusammen,

 

ich melde mich nun wieder aus Kisumu bei euch, meinem ursprünglichen und eigentlichen Wohnort :)

 

Am Donnerstagabend (18.01.) kam ich nach einer langen aber doch vergleichsweise angenehmen Reise wohlbehalten in meiner Gastfamilie in Kisumu an. Die ersten Tage in meiner Familie waren für mich recht spannend und wieder mit einer kleinen Umstellung im Vergleich zu dem Familienleben in Taveta verbunden, aber nach ein paar Tagen fühlte ich mich dann schon wieder mit den Alltagsabläufen vertraut und irgendwie auch, als wäre ich wieder zu Hause angekommen. Ich helfe recht viel im Haushalt beim Abwasch, Hausputz und ab und zu beim Kochen und fülle fast täglich den Wasserkanister auf, da wir kein fließend Wasser aber doch einen fünf Personen entsprechenden Wasserverschleiß haben. Ich verstehe mich mit meinen Familienmitgliedern wirklich gut und fühle mich sehr wohl in meiner Familie, als auch in unserer Wohngegend. Ich wohne mit meiner Familie hier nicht direkt in Kisumu, sondern etwas abgelegen in einer ländlichen Gegend namens Kiboswa, von wo aus man mit dem Matatu in einer knappen halben Stunde in Kisumutown ist. So sind wir nicht dem alltäglichen, chaotischen Großstadtleben ausgeliefert und wohnen in einer wunderschönen, grünen Umgebung, haben aber auch eine gute Verkehrsanbindung, um schnell ins Stadtzentrum zu kommen.

 

Ein weiterer Vorteil unseres etwas abgelegeneren Wohnortes ist, dass wir hier von jeglichen Demonstrationen oder Unruhen in Kisumu eigentlich nicht wirklich etwas mitkriegen. Das politische Chaos aufgrund der Präsidentschaftswahlen in Kenia hat sich nämlich leider immer noch nicht wirklich gelegt. Raila Odinga, Präsidentschaftskandidat der Opposition, welcher bei den Präsidentschaftswahlen (fair oder weniger fair…) verloren hatte, beschloss nämlich, sich unabhängig von den offiziellen Wahlergebnissen selbst ins Amt einzusetzen. Dies vollzog er erfolgreich am 30.Januar in Nairobi, an dem übrigens die Regierung dreister Weise die öffentlichen Fernsehkanäle unzugänglich gemacht hat, sodass die Bürger nicht verfolgen konnten, inwiefern Debatten, Unruhen und Demonstrationen im Land vor sich gingen. Da Kisumu die Hochburg des Oppositionskandidaten Odinga ist, fanden an diesem Tag in Kisumu weniger Demonstrationen als Feiern statt, dass „ihr Präsident“ nun endlich in das für ihn bestimmte Amt eingetreten sei.

 

Wie es nun politisch (mit zwei Präsidenten!) weiter geht, weiß niemand so genau. Es wird viel diskutiert und spekuliert, aber letztendlich muss man einfach (mal wieder) abwarten und beobachten, wie sich die Situation weiter entwickelt.

 

Zum Glück halten mich diese Unruhen, Feiern oder was auch immer nicht davon ab, in mein Projekt, die Dago Kokore Secondary School in Kiboswa, zu gehen.

Als ich dort am Montag nach ca. drei Monaten Abstinenz wieder ankam, wurde ich unglaublich herzlich und freundlich von den Lehrern und meinem Direktor in Empfang genommen. Viele meinten zwar fälschlicherweise, ich sei in der Zwischenzeit nach Deutschland zurück geflogen, dieses Gerücht ließ sich dann aber schnell wieder aus der Welt schaffen und ich erklärte ihnen, dass ich nicht aus eigener Entscheidung Kisumu verlassen habe, sondern gezwungen war, dies zu tun. Es war wirklich sehr schön, die Lehrer dort wieder zu treffen und wieder in meiner eigentlichen Arbeitsstelle anzukommen. Da ich nicht wirklich eine feste Aufgabe im Projekt habe, war es vor allem anfangs eine kleine Herausforderung für mich, einen Blick dafür zu entwickeln, wo ich helfen und mich einbringen kann. Ich muss sehr viel Eigeninitiative zeigen, um helfend tätig werden zu können, was manchmal etwas mühselig ist, aber inzwischen habe ich doch einige Bereiche gefunden, in denen ich helfen bzw. mich einbringen kann. Ich helfe beispielsweise in der Küche bei der Essensausgabe an die Schüler in der Mittagspause. Ich habe euch ein Bild der Küche in der Galerie hochgeladen, wo jeden Vormittag von zwei Frauen für die Lehrerschaft Ugali und Gemüse und immer Mittwochs Reis mit Bohnen vorbereitet wird und für die Schüler täglich Mais mit Bohnen. In der Mittagspause stürmen dann immer alle 500 Schüler mit leeren Bäuchen und Tellern zur Essensausgabe  und wollen möglichst schnell etwas zu Essen. Das ist teilweise wirklich sehr anstrengend, macht aber irgendwie auch großen Spaß….)

 

Desweiteren helfe ich regelmäßig beim Korrigieren von Englischaufgaben und Examen. Mir persönlich macht das sehr viel Spaß und es ist schön, dadurch die Englischlehrerschaft etwas entlasten zu können. Ich habe auch schon am Englisch Unterricht teilgenommen und angeboten bekommen, eine Stunde zu übernehmen, was sich hoffentlich bald mal ergibt.

 

Momentan ist auch eine meiner Aufgaben, die Schülerprofile der knapp 500 Schüler in den PC einzutippen. Da sitze ich nun schon seit mehreren Tagen dran…:)

 

Mein Direktor hat sich vorgenommen, sein Office komplett umzugestalten, hat aber noch nicht wirklich eine genaue Vorstellung von dem „nachher Bild“. Aufgrund dessen hat er mich als Beratung hinzu gezogen und meine Aufgabe ist es nun, ihm zu beschreiben, was meiner Meinung nach alles in ein Büro gehört und was ich persönlich ändern würde:) Ich bin sehr gespannt, ob wir meine Ideen dann tatsächlich umsetzen können und werden, zumindest macht es aber einen riesigen Spaß sich auszumalen, wie man den Raum vorteilhafter und freundlicher gestalten könnte. :)

 

Vor einer guten Woche habe ich, auf Wunsch meines Direktors hin, meine Geige mit in die Schule gebracht. Für alle die es nicht wissen, ich spiele seit gut acht Jahren Geige und konnte mir schlecht vorstellen, ein Jahr lang darauf zu verzichten, weshalb ich mich dann entschlossen habe, eine Leihgeige mit nach Kenia zu nehmen. Als ich dann in der Schule ein paar eingängige, leichtere Stücke aus meinem Repertoire vorspielte, waren die Lehrer wirklich sehr angetan und fasziniert von diesem kleinen Instrument, das doch so viel Klangfülle produziert. Für Schüler und Lehrer war es das erste Mal, eine Geige „in real life“ zu sehen, zu hören und teilweise auch zu halten. In der Galerie habe ich euch ein paar Bilder angehängt, von den ersten Annäherungsversuchen meines Direktors mit meiner Geige. Im Moment ist er noch fest davon entschlossen, Noten lesen und Geige spielen zu lernen, mal schauen, wie lange diese Motivation anhält…:) Um wirklich Geige zu lernen, muss man einfach sehr viel Geduld  aufbringen und darf nicht erwarten, dass das innerhalb ein paar Tagen oder Wochen klappt.

 

Jeden Freitagmorgen findet in der Schule immer eine sog. Assembly, also Versammlung statt, in der sich Schüler und Lehrer im Hof treffen, die Nationalhymne singen und die kenianische Flagge in einer Art Zeremonie hissen und die Lehrer zu den Schülern über aktuelle Themen sprechen. Im Rahmen dieser Veranstaltung habe ich mit der Geige „Amazing Grace“ gespielt und eine Gruppe von Schülern hat dazu gesungen. Das kam wohl ganz gut an, sodass wir wohl noch an weiteren Freitagen dort gemeinsam musizieren werden.

 

Ansonsten unterhalte ich mich viel mit den Lehrern und primär mein Direktor zeigt sehr viel Interesse an der deutschen Kultur und vor allem dem deutschen Schulsystem. :) Es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend und spannend, sich mit den Leuten hier auszutauschen.

 

Ich fühle mich wirklich sehr wohl in Projekt und Familie und freue mich schon sehr auf die weiteren Monate dort. :)

 

Mit lieben Grüßen,

Eure Rose