Willkommen in meinem Blog

 

 

Beitrag 14 - 09.01.2018

 

 

In Chala

Hallo zusammen,

 

Ich hoffe, Ihr hattet eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit und seid alle gut in das Jahr 2018 gestartet!

 

Mein Weihnachtsfest hier in Kenia war um ehrlich zu sein recht unspektakulär und fast ein Tag, wie jeder andere. Am 24.12. sind wir lustiger Weise mit meiner Gastmutter zu einer Konfirmation gegangen, was recht spannend war mit zu verfolgen. Anschließend wurden wir von einer Freundin meiner Gastmutter zum Essen eingeladen und bekamen das typisch kenianische Weihnachtsessen „Pilau mit Kachumbari“ serviert.

 

Der 25.12. bestand dann aus einem Kirchgang, Essen bei den Nachbarn und meinerseits viel Zeit zu lesen…

 

Am Dienstag haben meine Gastbrüder meine Gastmutter und uns zwei Freiwillig mit dem Motorrad nach Chala gefahren, um die Familie meiner Gastmutter zu besuchen. Chala ist eine ca. 30 Motorradminuten entfernte, recht ärmliche, sehr trockene Region, in der die meisten Leute ohne Strom- und Wasserversorgung leben. In entsprechend einfachen Verhältnissen wohnen dort die Eltern, sowie einige Geschwister meiner Gastmutter mit ihren Familien. Wie ihr auf den Bildern in der Galerie sehen könnt, sind die Häuser in sehr einfacher Bauweise angefertigt. Die meisten bestehen hauptsächlich aus natürlichen Baumaterialien, wie, mit Wasser gemischter Erde als Hauptbestandteil der Hauswände, welche mit Ästen stabilisiert werden. Als Toilette fungiert ein etwas abseits gelegenes, kleines Loch im Boden, mit aufgeschnittenen Säcken als Vorhang umgeben, was, in Kombination mit Wind die Privatsphäre beim alltäglichen „Geschäft“ leider etwas eingeschränkt…:) Gekocht wird in einer kleinen Hütte auf einer Feuerstelle auf dem Boden. Ich kann nur alle Frauen bewundern, die es fertig bringen, in so einer stickigen, kleinen Hütte, von in den Augen brennendem Qualm umgeben jeden Tag aufs Neue eine fantastische Mahlzeit für die ganze Großfamilie hervor  zu zaubern. Gespült und Wäsche gewaschen wird in Wasserbehältern, ebenfalls auf dem Boden. Da der Platz in dem Haus meiner Gastgroßeltern recht eingeschränkt ist, schliefen wir beiden Freiwilligen mit unserer Gastmutter zusammen in einem Bett, auf einer Matratze, die leider viel zu groß für das Bettgestell war und daher auf der einen Bettseite überstand. Unglaublich praktisch, wenn der Platz sowieso schon rar ist und die Matratze so auch noch eine schiefe Form bekommt...:)

 

Da, wie schon geschrieben, ein Großteil der Familie meiner Gastmutter in Chala lebt, waren wir eigentlich die kompletten zwei Tage dort damit beschäftigt, von einem Haus zum anderen zu gehen und sämtliche Familienmitglieder zu besuchen. Für mich persönlich war es unglaublich spannend, in die verschiedenen Häuser und Familien hinein zu gucken und zu erleben, wie gastfreundlich man von allen Seiten empfangen wird. Die meisten Familien wollten uns auch nicht gehen lassen, bevor wir nicht eine Tasse des typisch kenianischen Tees getrunken und eine Kleinigkeit gegessen hatten. Ich weiß nicht, wie viel Liter Tee ich an diesen beiden Tagen zu mir nahm. Wieder zurück in Taveta hatte ich aber erst mal das starke Bedürfnis, ein paar Tage „Teepause“ einzulegen. :)  

Auffallend war, wie viele Kinder doch auf den verschiedenen Grundstücken herum sprangen. Allerdings werden Kinder in vielen afrikanischen Familien auch einfach als Haushaltshilfe benötigt und stellen natürlich auch eine Art Absicherung für die Eltern im Alter dar. Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie hart und routiniert manche Kinder im Haushalt halfen und schwere Wasserkanister schleppen mussten. Für mich war das ein sehr befremdliches Bild, welches mir kein sonderlich gutes Gefühl bereitete und mich auch wieder einmal an meine privilegierte Stellung als Deutsche denken hat lassen. Die Kinder in den Familien dort gehen zwar so weit wie möglich in die Schule, wenn dann aber das Schulgeld knapp wird oder die Kinder als Hilfe im Haushalt gebraucht werden, muss die Schulbildung und natürlich auch die freie Zeit zum Spielen mit Freunden bitter darunter leiden.

 

Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich meine Gastmutter bei diesem Familienbesuch begleiten durfte und sie mir so ermöglichte, für ein paar Tage das Leben in ziemlich einfachen Verhältnissen kennen zu lernen und so tolle, herzliche und freundliche Menschen zu treffen.  Das war eine wirklich spannende kulturelle Erfahrung!

 

Bis zum nächsten Blogbeitrag alles Gute,

Eure Rose