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Beitrag 12 - 17.12.2017

 

 

Auf Prison Island

Auf Sansibar

Hallo zusammen!

 

Wie schon im letzten Beitrag angekündigt, kommt hier nun ein Bericht über meine Zeit auf der wunderschönen Insel Sansibar. :)

 

Am Sonntag, den 26.11.17 fuhren wir (drei andere Freiwillige und ich) nach einem zweitägigen Aufenthalt in der tansanischen Stadt Moshi mit dem Reisebus ca. 11 Stunden weiter Richtung Küste, nach Dar es Salaam. Da unser Reisebus weder klimatisiert war, noch geöffnete Fenster hatte und die ganze Fahrt über laute Serien oder Musikvideos liefen, war die Reise nach Dar es Salaam entsprechend anstrengend und mit 3 Stunden Verspätung kamen wir dann erst gegen 8 Uhr abends in Dar es Salaam an. Da wir dort noch kein Zimmer gebucht hatten, machten wir uns im Dunkeln erst einmal auf die Suche nach einer billigen Unterkunft. Etwas Billiges zu finden, stellte sich in Hafennähe als gar nicht so einfach heraus, aber letztendlich fanden wir dann ein Hostel, das uns einen ganz guten Preis für zwei Doppelzimmer machte und bei dem wir bis Montag nächtigten. 

 

Am Montagmorgen nahmen wir dann die 12 Uhr Fähre von Dar es Saalam und kamen gegen 14 Uhr auf Sansibar an! :) Hier kamen wir in einer privaten „Airbnb“ Unterkunft in Stone Town im Westen Sansibars unter - auf Sansibar bietet so ziemlich jeder Zimmer über „Airbnb“ an, das ist hier das allgemeine „Business“ :)

 

Unsere erste Unterkunft auf Sansibar war eine Art Apartment, bestehend aus zwei Doppelzimmern, einem Badezimmer und einer Küche mit Essgelegenheit. Im Zimmer neben uns wohnten noch zwei andere Einwohner Sansibars, wovon einer von Beruf Tourguide war, sodass wir auf diesem Wege schon mal die ersten einheimischen Ansprechpartner kennen lernten. Nach fünf Tagen mussten wir dann leider recht spontan umziehen, da unserem Vermieter eingefallen war, dass er unsere Zimmer ja schon länger an andere Gäste vermietet hatte und diese am Folgetag anreisen würden. Es war schade, dass wir die Unterkunft so spontan verlassen mussten, aber unser Vermieter kümmerte sich von selbst um eine neue Unterkunft für uns, sodass wir bei einem seiner Freunde in einem Viererzimmer in einer anderen Ecke Stone Towns unterkamen.

 

Als wir am Montagabend auf Sansibar ankamen und uns in unserer Unterkunft eingerichtet hatten, zog es uns direkt an den Strand. Der Strand in Stone Town ist sehr schön, ziemlich sauber und abends so gut wie leer, sodass wir den Sonnenuntergang in Ruhe genießen konnten.

 

Den nächsten Tag verbrachten wir neben der Erkundung Stone Towns zum Großteil am Strand, wobei wir feststellen mussten, wie aufdringlich doch manche Männer hier auf Sansibar sind. Es gab fast keine Minute, in der wir einfach mal für uns alleine die Zeit am Strand genießen konnte, ohne dass uns sofort einheimische Männer angesprochen haben, die entweder eine Tour auf Sansibar anboten oder einfach mit uns reden wollten. Das hat sich wirklich als recht anstrengend heraus gestellt, da viele Männer sehr penetrant waren und sich direkt zu uns setzten und zum Teil gar nicht wieder gehen wollten. Eine Gruppe von vier weißen, jungen Frauen ohne männliche Begleitung fällt auf Sansibar doch einfach auf und die Chance, dass man häufig angesprochen wird ist recht hoch…

Aufgrund dessen haben wir in den darauf folgenden Tagen den Strand in Stone Town bevorzugt im Dunkeln genutzt, wenn fast niemand mehr am Strand war. Das war dann doch um einiges entspannter. :)

 

 

Jeden Abend gibt es in Stone Town einen sog. „Food market“, auf dem, wie der Name schon sagt, verschiedene kulinarische Köstlichkeiten angeboten werden. Die Auswahl geht von diversesten Fleisch- und Fisch Zubereitungen über Falafel und Süßkartoffeln bis hin zu salzig und süß zubereiteten Sansibar- Pizzen. Es ist also so ziemlich für jeden etwas dabei und so haben wir einige Abende auf dem „Food market“ verbracht und bei lauen Abendtemperaturen das Essen genossen.

 

Unseren ersten richtigen Ausflug auf Sansibar machten wir mit dem Dala Dala (in Tansania heißen Matatus Dala Dala) zu einer Spice Farm, östlich von Stone Town. Hier bekamen wir eine knapp zwei Stunden lange, sehr interessante Führung durch die „Gewürz Farm“ und durften sehen, wie Zimt, Pfeffer, Ingwer, Aloe Vera, Kakao, Cafe, Muskatnuss, Chili, Nelken, Ananas, Papaya, Maracuja, Jackfruit uvm. auf Sansibar angebaut, geerntet und verarbeitet werden. Das war wirklich unglaublich spannend und interessant zu sehen und gegen Ende der Führung durften wir dann noch einige frische Früchte und drei verschiedene Tees probieren und hatten die Möglichkeit, verschiedene Gewürze, Seifen und Parfums zu kaufen. Neben unserem Guide begleitete uns während der Tour auch noch ein Junge, der für uns aus verschiedenen Blättern und Blüten tollen Schmuck anfertigte. In der Galerie könnt ihr euch gerne ein paar Bilder davon anschauen.

 

Neben dem Strand in Stone Town haben wir noch einige andere Strände besucht, unter anderem einen in Paje; im Osten Sansibars, Fumba und Chukwani im Süden Sansibars und in Nungwi und Bububu, nördlich von Stone Town. Sansibar hat wirklich fantastische Strände mit klarem, türkisenen Wasser. Nur leider hatten wir nicht immer Glück mit dem Wetter, sodass wir auch zweimal im Regen unter einem Schirm am Strand saßen und Karten spielten. :) In der Galerie habe ich euch einige Bilder der verschiedenen Strände hochgeladen. Einige sind wirklich paradiesisch und definitiv die schönsten Strände, die ich je gesehen habe. :)

 

Auf Sansibar ist wirklich auffallend, wie viele junge Leute dort sportlich aktiv sind. Ob in der prallen Sonne oder im Schatten, am Strand findet man immer Leute, die entweder Workouts machen, joggen oder tanzen. So haben wir uns mit einer Tanzgruppe angefreundet, die täglich am Strand oder in Old Ford (das älteste Gebäude in Stone Town) üben. Die aus 7 durchtrainierten Jungs und einem Mädchen bestehende Gruppe verdient ihr Geld damit, dass sie ungefähr dreimal die Woche in verschiedenen Luxushotels auf Sansibar auftritt und dort einen Mix aus Akrobatik, African Dance, Breakdance und Hip Hop präsentiert. Dreimal nahm uns die Gruppe mit zu ihren Auftritten und es war nicht nur beeindruckend die Tänzer zu beobachten und zu bewundern, sondern auch die riesigen, eindrucksvollen Anwesen der verschiedenen Luxushotels zu bestaunen. Das war wirklich jedes Mal aufs Neue lohnenswert und ein tolles Erlebnis.

 

Ein anderes, tolles Erlebnis war der Ausflug nach Prison Island, einer kleinen Insel ca. 30 Minuten von Sansibar mit dem Boot entfernt. Die Hinfahrt war leider noch etwas regnerisch, aber kaum waren wir auf der Insel, klarte es merklich auf und die Sonne kam heraus, sodass uns ein herrlicher, sonniger Strand und türkisblaues Wasser geboten wurde. Auf Prison Island hatten wir die Möglichkeit, zahlreiche Riesenschildkröten und ihre Babys in einem großen Freiluftgehege zu sehen, sowie das ehemalige Sklavengefängnis, das später als Quarantänestation für Gelbfieber genutzt wurde. Besonders die Riesenschildkröten, die Anfang des 20. Jahrhunderts ein Geschenk eines britischen Gouverneurs an die Insel waren, fand ich sehr beeindruckend zu sehen und nach einer kleinen Mittagspause am Strand fuhren wir mit dem Boot ein paar Minuten von der Insel weg, um im Meer zu schnorcheln. Nicht nur, weil das für mich das erste Mal schnorcheln war, war das ein unglaubliches Erlebnis und eines meiner persönlichen Highlights auf Sansibar. Es war einfach fantastisch, die Vielfalt der Meeresflora und Fauna des Indischen Ozeans live und so nah zu erleben und verschieden farbige Seesterne, Seeigel, Muscheln und Korallenriffe zu begutachten und zum Teil über bunten Fischschwärmen zu schweben. Nicht nur das Gefühl, plötzlich schwerelos und irgendwie ein Teil des Meeres zu sein ist beeindruckend, sondern auch die Stille, die unter Wasser herrscht. Außer dem eigenen Atem hört man beim Schnorcheln quasi nichts und hat das Gefühl, die Zeit würde einfach stehen bleiben. Ein einfach fantastisches und unvergessliches Erlebnis!

 

Ein weiterer Höhepunkt unseres fast drei wöchigen Sansibar Aufenthaltes war ein Ausflug in den Süden Sansibars, um dort mit Delfinen im Meer zu schwimmen. Früh morgens um sechs machten wir uns mit dem Taxi ca. eine Stunde auf den Weg zu einem südlich gelegenen Strand. Dort angekommen empfing uns sogleich unser Bootsfahrer, der eilig meinte, wir sollten uns schnell Schnorchel Ausrüstung ausleihen und mit ihm kommen, die Delfine wären gerade draußen im Meer zu sehen. So stiegen wir ein paar Minuten später mit passender Schnorchel Ausrüstung in ein kleines Motorboot, zogen uns schnell unsere Badesachen an und fuhren raus zu fünf anderen kleinen Booten, die eine Gruppe von ca. 12 Delfinen umkreisten. Als unser Boot eine gute Position in der Nähe der Delfine gefunden hatte, wurden wir von unserem Bootsfahrer hektisch aus dem Boot gescheucht und platschten ins Wasser zu den Delfinen. Der Anblick, der sich uns unter Wasser bot war atemberaubend! Zum Teil einen Meter von uns entfernt schwamm eine Gruppe ausgewachsener, wunderschöner Delfine und man hätte sie fast berühren können, so nah waren sie. Bis die Delfine dann wieder abtauchten, konnten wir mit ihnen schwimmen und sie beobachten und wurden dann von unserem Bootsfahrer wieder aufgelesen und kletterten zurück ins Boot. Sobald die Delfine dann wieder irgendwo auftauchten, fuhren wir mit dem Boot schnell an diese Stelle und sprangen erneut ins Wasser. Wie schon geschrieben, war es ein wirklich abenteuerliches und auch irgendwie lustiges Erlebnis, wie uns unser Bootsfahrer immer wieder ins Wasser und wieder heraus hetzte, aber, dass das tierschutzmäßig nicht unbedingt ideal für die Delfine war, ist eine andere Sache. Ein bisschen kam ich mir vor wie bei einer Treibjagd, so sind wir auf die Delfine zu gerast und ins Wasser zu ihnen gesprungen, was mir auch wirklich ein nicht allzu gutes Gewissen bereitet hat. Mehr als einmal sollte man so etwas vielleicht auch nicht unterstützen, aber auf jeden Fall hatten wir großes Glück, dass wir überhaupt Delfine zu sehen bekamen. Und missen möchte ich dieses großartige Erlebnis wirklich nicht!

 

Anschließend verbrachten wir noch eine entspannte Zeit an einem wunderschönen Strand, den wir nahezu für uns alleine hatten, aßen noch zu Mittag und fuhren dann wieder zurück nach Stone Town.

 

In der Galerie habe ich euch auch einige Bilder von Stone Town, des ältesten und bekanntesten Stadtteils von Sansibar-Stadt angehängt, das seit dem Jahr 2000 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO steht. Stone Town ist mit seinen schmalen Gassen, hohen alten Gebäuden und wunderschön verschnörkelten Türen wirklich sehr sehenswert und auch kulturell ein interessantes Erlebnis.

 

 

Alles in allem war der Urlaub auf Sansibar in vielerlei Hinsicht beeindruckend und einmalig.

 

Ich durfte fantastische Strände, schöne Gebäude und wunderschöne Pflanzen sehen und konnte die beeindruckende Vielfalt der Meereslebewesen näher entdecken und hautnah erleben, sowie interessante Menschen kennen lernen. Ich habe Sansibar als ein Stückchen heile Welt erlebt, abgeschottet von jeglichen politischen Unruhen oder Debatten, auf dem einfach alles „hakuna matata“ ist. Durch die offene und teilweise simple Mentalität sowie den meist aufgeschlossenen Charakter der Einheimischen, war es sehr leicht, schnell mit vielen Leuten in Kontakt zu kommen, was uns schnell das Gefühl gab, keine Fremden mehr zu sein, sondern schon ewig dort zu leben. Wir haben uns wirklich sehr schnell wohl gefühlt auf Sansibar, weshalb wir dann ja auch statt ursprünglich geplanten 10 Tagen fast drei Wochen dort blieben. :)

 

In der teilweise wirklich penetranten und aufdringlichen Anmache der einheimischen Männer spiegelt sich allerdings auch das Frauenbild wider, das viele Einheimische haben und nicht unbedingt dem entspricht, welches ich aus meinem gewohnten Umfeld in Deutschland kenne und schätze.  

Die Insel ist sehr touristisch, sodass wir als weiße Europäer wirklich oft das Gefühl hatten, das Geld würde uns von allen Seiten aus der Tasche gezogen werden. Jeder wolle uns etwas verkaufen.

 

Diese rein subjektive Schilderung der allgemeinen Mentalität auf Sansibar baut sich natürlich lediglich auf meinem persönlich Erlebten auf. Es gibt sicher Leute, die mir in gewissen Punkten widersprechen. Ich möchte euch auch lediglich berichten, wie ich persönlich Sansibar und dessen Einwohner wahrgenommen und erlebt habe. Wer sich sein eigenes Bild von Sansibar und den Leuten dort machen möchte, muss schon selber in den Flieger steigen und eine gewisse Zeit auf dem wunderschönen Sansibar verbringen. :) Hakuna matata! :)

 

Es ist auch wirklich spannend zu sehen, wie sich die Kultur und Mentalität auf Sansibar von der auf dem tansanischen Festland unterscheidet. Und für mich persönlich ist Sansibar ein unglaublich toller Ort für drei Wochen entspannten, sorglosen Strandurlaub mit netten Urlaubsbekanntschaften. Aber ich persönlich bin doch froh, dass ich lediglich einen dreiwöchigen Urlaub auf Sansibar verbringen und doch ein ganzes Jahr in Kenia leben darf :)

 

Ich hoffe sehr, ich habe euch einigermaßen umfangreich und anschaulich an meinem erlebnisreichen Sansibar Urlaub teilhaben lassen und ihr hattet ein bisschen Spaß am Lesen. :) Bei Fragen oder Anregungen könnt ihr euch immer gerne an mich wenden!

 

Alles Liebe und eine wunderschöne, verschneite Weihnachtszeit,

 

Eure Rose